Schmelzwasser in der Antarktis: In sechs Jahren zweimal der Bodensee

 

Seit 1993 steigt der Meeresspiegel weltweit im Durchschnitt um 3,1 Millimeter im Jahr – eine deutliche Zunahme gegenüber den vorangegangenen Jahrzehnten: Zwischen 1961 und 1993 war die jährliche Zunahme um ca. 40 Prozent geringer. Das durch die Erwärmung weltweit schmelzende Eis trägt dazu durchschnittlich 1,8 mm/Jahr bei (gemessen 1996 bis 2006). An diesen 1,8 mm/Jahr haben die Eisverluste des Antarktischen Eisschildes derzeit einen Anteil von rund 16 Prozent.

Auch weiter im Inland der Antarktis dünnt das Eis mittlerweile aus: Seit einigen Jahren vermessen Satelliten kontinuierlich die Oberflächenhöhe und das Gewicht des Eispanzers. Die Daten zeigen, dass sich die Oberfläche des antarktischen Eises absenkt und dass das Eis auch an Masse verliert. In der Westantarktis senkte sich die Oberfläche der großen Auslassgletscher zwischen 2003 und 2007 um bis zu neun Meter pro Jahr ab. Auslassgletscher bilden sich am Rand von Eiskappen oder Eisschilden, wenn das Eis durch relativ schmale Auslässe fließen muss.

Zwischen 2002 und 2008 hat sich der antarktische Eisschild pro Jahr um durchschnittlich 109 Gigatonnen verringert. Eine Gigatonne entspricht einer Milliarde Tonnen bzw. der Masse von einem Kubikkilometer Wasser. 109 Gigatonnen entsprechen demnach ungefähr zweimal dem Bodensee.

Kipp-Punkt Westantarktis

Am meisten Eis verschwindet in der Westantarktis – einer Region, die ohnehin als Kipppunkt des Klimasystems gilt. Bei einem völligen Kollaps des westantarktischen Festlandeises würde der globale Meeresspiegel um ca. 3,3 Meter steigen – inklusive der Antarktischen Halbinsel wären es sogar bis zu 4,8 Meter.

(Autor: Jörg Siepmann)

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